ARDIAN BINAJ 
fine arts contemporary arist paintingt oil on canvas 


Sie sind 1966 in Albanien geboren, Ihre Kindheit verbrachten Sie am Meer. Seit 1993 leben Sie in Deutschland, auch Italien ist Ihnen nicht fremd. Wie sehr fühlen Sie sich Albanien noch verbunden? 

Als meine Mutter noch lebte, war ich mehrmals im Jahr in meiner Heimat, um sie zu sehen. Seit fünf Jahren lebt Sie nicht mehr. Die Stadt hat sich mit der Zeit sehr verändert und so hat sich auch mein Verhältnis zu meinem Heimatland gewandelt.
Ich erinnere mich noch gut daran, dass wir damals recht beengt in einer Dreizimmerwohnung lebten, mit meiner Mutter und meinen vier Geschwistern. Mein Vater ist recht früh gestorben, ich war zu der Zeit drei Jahre alt.
Wenn ich an die Tage meiner Kindheit zurückdenke, habe ich oft das Meer vor Augen, das Schimmern der Sonne im Wasser. Mit Albanien verbinden mich heute daher ganz besonders die Farben in Vlore. Die Stadt liegt im Süden des Landes, direkt am Meer. Dort scheint 330 Tage im Jahr die Sonne. Diese Eindrücke prägten mich als Künstler. 
Albanien ist ein sehr kleines Land mit ca 3,5 Millionen Einwohnern. Wenn sie auf einem Berg stehen, können Sie beinah über das ganze Land sehen. Diese Eindrücke erinnern mich nachhaltig an meine Heimat und prägen mich bis heute auch in meiner künstlerischen Arbeit.


Sie gehen das ganze Jahr, auch im Winter, in einem See bei München schwimmen. Wieso und welchen Einfluss hat dies auf Ihre Arbeit? 

Ich bin ein leidenschaftlicher Taucher und liebe das Wasser, es tut mir sehr gut und hat eine große Faszination für mich. Und man kriegt dadurch einen kühlen Kopf, besonderes von November bis März. Das Wasser ist für mich aber auch eine Verbindung zu meiner Heimat in Vlore und das Meer. 


                          
H2O 
Oil on Canvas100 x 100 cm 2018 by Ardian Binaj

Welchen Einfluss hatten ihr Heimatland und Ihre Familie auf Ihre künstlerische Arbeit?

Wie ich schon sagte, sind es in erster Linie Farben und Perspektiven. Stellen Sie sich vor Sie gehen in einen weißen oder schwarzen Raum. Was passiert in ihrem Kopf, wahrscheinlich nicht allzu viel. Betreten Sie in einen bunten Raum, dann findet in ihrem Kopf ein Feuerwerk statt, so müssen Sie es sich vorstellen. In meiner Kindheit hatte ich sozusagen jeden Tag ein kleines Feuerwerk vor Augen.
Da die Leute in Albanien nicht viel mehr hatten als den Familienbund, standen sich die Menschen sehr nah. Ich bin mit viel Zuneigung und Liebe aufgewachsen, ich denke, das hat mich als Mensch und Persönlichkeit sehr gestärkt. 
Mein Talent zur Malerei habe ich wohl von meiner Mutter, die sehr viel gezeichnet und gemalt hat. Leider durfte sie im damaligen Albanien als Frau nicht studieren, außerdem hat sie sich allein um fünf Kinder kümmern müssen. Ich habe früh versucht die Entwürfe meiner Mutter nachzuzeichnen, sie wäre sicher eine sehr gute Designerin geworden. Auf diesem Wege habe ich Gefühl für Proportionen entwickelt. Bewundert habe ich die Geschwindigkeit, in der sie Zeichnungen anfertigen konnte. 
Auch mein Bruder ist Künstler, in Mailand, wo er mit Holz arbeitet. Seit einigen Jahren macht er auch Kunst aus Dosen. Mein ältester Bruder war Bildhauer. Seine Arbeiten haben mein Gefühl für Raum und Dimensionen geprägt.
Regeln hemmen künstlerischen Ausdruck. Ich bin sehr liberal großgeworden und konnte mich ausprobieren. Nur das System hat mich meinen vorbestimmten Weg nicht gehen lassen. Meine Mutter sagte einmal im Winter, komm wir lassen Hosen für dich machen. Da uns die Mittel fehlten, hatte sie unter anderem eine albanische Fahne mitgenommen. Ein älterer Herr, der Schneider war, machte mir eine Hose daraus. Das fand ich schlimm, aber für einen anderen Stoff hatten wir nun mal kein Geld. 
Es blieb wenig Zeit über Kunst nachzudenken, geschweige denn sie zu machen. Als Student bin auf die Straße gegangen und habe für den gesellschaftlichen Wandel in Albanien demonstriert. Mit diesen Erfahrungen gehe ich heute viel bewusster mit meiner Zeit als Künstler um. Ich bin sehr dankbar für die mir zur Verfügung stehende Zeit und konzentriere mich ganz auf die Malerei. Neben der Malerei interessiere ich mich auch für
3-dimensionale Objekte. 


Sie sind Ingenieur der Metallurgie, arbeiteten aber nur kurz als Ingenieur. Als Einrichter haben sich lange mit Designer-Möbeln beschäftigt. Jetzt widmen Sie sich ganz ihrer Kunst und arbeiten an großen Flächen. Was reizt Sie an der Leinwandgröße?

Ich bin dankbar für die vielen unterschiedlichen Erfahrungen, die ich in der Vergangenheit sammeln konnte und ziehe daraus immer wieder Inspiration. Zugleich freue ich mich, dass ich mich heute voll und ganz meiner Leidenschaft für die Kunst widmen kann. Hier fühle ich mich in meinem Element und kann ich einfach ich sein. Die Größe und Weite der Fläche transportiert etwas Unendliches. Vielleicht ist das auch eine Verbindung zu meinen frühen Erfahrungen am Meer und dem Wunsch nach Zeitlosigkeit.

Wann ist ein Bild für Sie fertig?

Eigentlich ist ein Bild für mich nie fertig, da ich daran ewig arbeiten könnte. Grundsätzlich arbeite an meinen Werken nicht nur in einer Position. Wenn ich ein Bild male, sind es mindestens vier Positionen. Für mich ist das Bild reif, wenn es zu 360 Grad harmonisch ist, wobei es – wie gesagt - eigentlich kein Ende gibt. Die Vollendung meiner Bilder verstehe ich als einen offenen Prozess.